Mai 2017 – 8 Jahre Fundraising-Wiki

Wer zahlt bestimmt. Oder: Die Privatisierung der Wohlfahrt/ Blick zurück: Wohlstand für alle

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Blick zurück: Wohlstand für alle

Mit Beginn des Wirtschaftswunders konnte die Bundesrepublik lange Jahre als „Aufstiegsgesellschaft“ charakterisiert werden. Zwei Weltkriege hatten in Deutschland und Europa eine Kapitalvermehrung analog zu den USA verhindert. Allen ging es stetig etwas besser, und man konnte sich sicher sein, dass es den Kindern später noch deutlich besser gehen würde. Die Einkommensunterschiede waren eher marginal und näherten sich lange Zeit stetig aneinander an. 1970 wurde es noch als unanständig betrachtet, wenn die Firmenleitung mehr als das Zehnfache eines einfachen Arbeiters verdiente, das Maximum lag beim 30-fachen und galt für Firmeninhaber, nicht für angestellte Manager. (Heute verdient ein Topmanager durchschnittlich 240-mal soviel wie ein Arbeiter seines Unternehmens). Das stetige Wirtschaftswachstum diente vor allem der Mehrung des Wohlstandes für alle. Die Einkommen wuchsen parallel zur Produktivität. Das trug gleichzeitig dazu bei, dass die produzierten Güter auch gekauft werden konnten. Die Arbeiter wurden zur Mittelschicht, Bildung wurde für alle zugänglich und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erschwinglich. Kinder von Arbeitern wurden zu Facharbeitern oder sogar Studenten, der Opernbesuch war für einen einfachen Angestellten bezahlbar, Schwimmbad, Eislaufbahn und Theater selbstverständliche Vergnügen von Familien. Es gab nicht nur den Eindruck einer ansatzweise leistungsbezogenen finanziellen Gerechtigkeit, sondern auch eine weitgehende Teilhabegerechtigkeit. Soziologen sprachen bereits vom Ende der Klassengesellschaft.[1]

In den siebziger und achtziger Jahren wurden angesichts einer steigenden Staatsverschuldung und einer auf deutlich über 30 Prozent gestiegenen Sozialleistungsquote[2] einige Leistungen beschnitten, am grundsätzlichen Sozialstaatsmodell jedoch wurde festgehalten.

„Während in anderen westlichen Industrieländern, namentlich in Großbritannien unter Margret Thatcher und in den USA unter Ronald Reagan, in den 1980er Jahren eine prononcierte Wende zugunsten neoliberaler und monetärer Ordnungskonzeptionen vollzogen wurde, blieb der westdeutsche Sozialstaat in seinen Grundzügen unverändert.“[3]

Aus Bürgersinn und politischem Interesse entstand eine Vielzahl von Vereinen und Organisationen, nicht wenige finanziert durch die öffentliche Hand. Immer mehr Personengruppen erhielten einen einklagbaren Anspruch auf Unterstützung. Der Staat kümmerte sich nicht nur um eine gerechte Verteilung, Chancengleichheit und die soziale Sicherung seiner Bürger, er beförderte das Wachsen des 3. Sektors, sorgte zugleich aber auch für seine stetige Bürokratisierung.



  1. Vgl. Ulrich Beck, Jenseits von Stand und Klasse (1983)
  2. 1975 hatte die Sozialleitungsquote mit 31,8 % ihren Höchststand erreicht, einen Rückgang gab es 1988-1989, nach der Wiedervereinigung stieg sie im bundesdeutschen Durchschnitt wieder an, bewegt sich jedoch immer bei etwa 30 – 33% / www.sozialpolitik-aktuell.de, Quellenangabe: Sozialbudget 2005, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Berlin 2006
  3. Gabriele Metzler, ‚der Deutsche Sozialstaat – vom bismarckschen Erfolgsmodell zum Pflegefall.’ Deutsche Verlagsanstalt München 2003

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