Mai 2017 – 8 Jahre Fundraising-Wiki

Konzept zur Förderung der Transparenz bei kleinen spendensammelnden Organisationen/ Einleitung

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Einleitung

Vertrauen ist das Fundament, auf dessen Basis spendensammelnde Organisationen ihre Aktivitäten durchführen und um Unterstützung für sich bitten. Nur wenn eine Organisation Vertrauen genießt, wird sie erfolgreich agieren und wirken können. Das Zusammenspiel von Unabhängigkeit, Authentizität, Integrität und Transparenz beim Handeln einer Organisation bewirkt dabei dieses essentiell wichtige Vertrauen.[1] Die gilt gerade mit Hinblick auf das Sozialmarketing und Fundraising, welches auf die vertrauende Hilfsbereitschaft der Menschen baut. Sie sollte aber, so meine Grundüberzeugung, ohne Vertrauen ausbleiben, besser, sie muß ohne Vertrauen ausbleiben.

Seit den 1990er Jahren beschäftigt man sich im Non-Profit-Sektor zunehmend intensiv mit dem Thema Transparenz. Hintergrund ist der gesellschaftspolitische, aber auch wirtschaftliche Bedeutungszuwachs der Non-Profit-Organisationen, der mit einer zunehmenden Professionalisierung des Non-Profit-Sektors einhergeht. Im Gefolge stiegen ebenso die Anforderungen innerhalb des Non-Profit-Sektors an die Transparenz bezüglich deren eigener Arbeit. Spätestens mit der Jahrtausendwende hat ein intensiver Diskurs eingesetzt, wie man diesen Erfordernissen am besten gerecht werden kann. Der bei stagnierendem Fördermittelvolumen immer größer werdende Wettbewerb um Förderung, sowie die zunehmende Anzahl von Organisationen, verstärkt zusätzlich die Notwendigkeit von Transparenz. Transparentes Handeln wird zudem inzwischen als ein Organisationsmerkmal betrachtet, das notwendigerweise vorhanden sein muß, um überhaupt erfolgreich Sozialmarketing und Fundraising durchführen zu können.

Im Zuge dieses intensiven Diskurses wurden etliche Instrumentarien zur Schaffung von Transparenz (Verhaltensgrundsätze, Selbstverpflichtungserklärungen sowie Best-Practice-Richtlinien) entwickelt. Ihnen ist gemein, daß sie sich vornehmlich an den Bedürfnissen mittelgroßer bis großer Organisationen orientieren. Kleine Organisationen und letztlich auch die Bürger selbst können sich aber an ihnen orientieren. Es bedarf allerdings unbedingt einer speziell auf diese kleinen Organisationen ausgerichteten Anleitung, die es ihnen einfach macht, eindeutig und allgemeinverständlich transparent zu sein. Letztlich ist, so mein Eindruck, die fehlende Berücksichtigung der Informationsempfänger und der kleinen Organisationen mit ein Grund dafür, warum die bisherigen Ergebnisse zu komplex geworden sind und sich nicht allgemein durchsetzen konnten.[2] Grund hierfür mag auch sein, daß die kleinen Organisationen zwar fast die Gesamtzahl aller Organisationen stellen, aber lediglich knapp 15 % des Spendenvolumens einnehmen.[3] Deswegen lag der Fokus des Diskurses zur Transparenz zwangsläufig auf die großen bundesweit etablierten Organisationen. Indes ist die Chance, mit einer kleinen spendensammelnden Organisation in Kontakt zu kommen, allein aufgrund ihrer Anzahl und der überwiegend regionalen und örtlichen Verbundenheit, mindestens ebenso groß.

Die Förderer sowie die breite Öffentlichkeit, an die sich schließlich der Non-Profit-Sektor allgemein mit seinen Fördergesuchen wendet, haben einen unbedingten Anspruch auf die transparente Offenlegung von bestimmten Informationen. Dies deshalb, weil sie weitaus überwiegend, wenn auch teilweise indirekt über Transferleistungen des Staates, die Arbeit des Non-Profit-Sektors finanzieren und somit „soziale Teilhaber“ mitsamt den damit einhergehenden Rechten und Pflichten sind.

Ich bin allerdings nicht der Meinung, daß der Gesetzgeber umfängliche Regelungen treffen sollte Transparenz im Non-Profit-Sektor zu erzwingen. Notwendige Anpassungen und Fortschreibungen könnten so nur in langwierigen Verfahren angegangen werden, die zudem noch von sektorfremden Faktoren abhängig werden könnten. Auch würde die Kontrolle eher auf die Einhaltung der Erfordernisse der entsprechenden Regelungen konzentriert sein, denn auf die Erreichung von Transparenz, die von möglichst vielen nachvollzogen werden kann. Eine gesetzliche Regelung würde zwar den Anspruch auf Transparenz festschreiben und diesen auch einklagbar machen, wird aber nur unzweifelhaft überprüfbare Kriterien definieren können, ohne ansonsten nicht ausräumbare Rechtsunsicherheit zu schaffen. Dies bedeutet, daß durch eine gesetzliche Regelung nur Teilbereiche von Transparenz erfasst werden können.

Vielmehr lebt der Non-Profit-Sektor vom bürgerlichen Engagement und sollte daher über eigenständige Instrumentarien verfügen, die Transparenz gegenüber den „sozialen Teilhabern“ sicherzustellen. Es ist anzustreben, der Anwendung dieser Instrumentarien einen sektorweit verbindlichen Charakter zu geben. Es bedarf also eines Systems, welches dergestalt attraktiv ist, daß sich kleine Organisationen dessen bedienen. Für Organisationen und engagierte Bürger muß es Vorteile bringen sowie sich dessen Einsatz lohnen.

Indes, es wird immer Organisationen geben, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht transparent handeln möchten und es auch nicht tun werden. Dies läßt sich nicht vermeiden und kann, sofern keine als kriminell zu bezeichnenden Gründe hierfür vorliegen, unter bestimmten Umständen sogar akzeptabel sein. Es besteht aber die Aussicht, daß die künftige Entwicklung in Hinblick auf Transparenz, die Anzahl dieser Organisationen deutlich reduziert und zudem dafür sorgt, diese leicht identifizierbar zu machen.

Apropos, Transparenz wird nie durchweg objektiv sein können. Jeder hat ein anderes subjektives Empfinden und andere subjektive Bedürfnisse hinsichtlich der Auskünfte, die er benötigt, um Transparenz in seinem Sinn verwirklicht sehen zu können, sie also als maßgeblich einzuschätzen. Organisationen müssen hingegen einer hohen Anzahl dieser individuellen und subjektiven Anforderungen gerecht werden. Dies hat zwangsläufig zur Folge, das Transparenz aufgrund der subjektiven Wahrnehmung des Einzelnen von ihnen nicht als tatsächlich objektiv wahrgenommen werden kann. Es gilt also einen Kompromiss zu finden, der für die allermeisten Informationsempfänger zwar nicht vollkommen objektive Transparenz bewirkt, dennoch eine allseits akzeptable Objektivität darstellt. Die vorliegende Arbeit stellt meinen Vorschlag für einen solchen Kompromiss dar.

Zunächst werden die begrifflichen Grundlagen dieser Arbeit beschrieben und definiert, bevor im Hauptteil die mit Transparenz verbundenen Aspekte aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und eine Anleitung zur Umsetzung durch kleinen spendensammelnde Organisationen entwickelt wird. Die Ausführungen bauen in diesem Abschnitt aufeinander auf, d. h. das bestimmte Begriffen und Sachverhalte erst später an einer nachfolgenden Stelle wieder aufgegriffen und näher dargelegt werden. Die Schlußbetrachtung würdigt den Inhalt der Arbeit kritisch. Im Anhang der Arbeit befindet sich als Muster die transparente Darstellung eines fiktiven Vereins, die meinem Vorschlag folgt.



  1. Vgl. WILKE, B.: Ethik, Transparenz, Vertrauen. Die „Zauberworte“ des Fundraisings. In. Ethik im Fundraising. Kinderpatenschaften, Selbstverpflichtungen und weitere Spannungsfelder. Berlin 2007, S. 6.
  2. Gemeint ist hier insbesondere die Darstellung von Mittelherkunft und -verwendung, die der von Kapitalgesellschaften entspricht. Die Begrifflichkeiten sowie der Datenumfang können meiner Meinung nach nicht mehr vom durchschnittlichen Spender nachvollzogen werden.
  3. „250 bis 300 der Non-Profit-Organisationen sind bundesweit profiliert und erhalten 85 % der Spenden“. URBAN-ENGELS, A.: Präsentation „Fundraising in Deutschland“, Herborn 2008, Folie 5.

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