Artikel:Hochschule
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[Bearbeiten] So viel kosten Hochschulen den Staat
Konrad Schily, Gründungsdirektor der privaten Universität Witten-Herdecke, konstatierte unlängst: „Kein Geld gab´s immer schon“ (SCHILY 2007). Im gegenwärtigen Hochschulreformdiskurs geht es darum, die Folgen der Kürzung staatlicher Finanzmittel aufzufangen. Durch die Gewährung von Autonomie durch den Staat zeichnen sich neue Handlungsspielräume für Hochschulen ab, die zur Aufrechterhaltung der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit genutzt werden können.
Im Fokus der Betrachtung stehen Hochschulen, die nach Landesrecht staatliche Hochschulen sind. Aufgrund der fehlenden Gewinnorientierung sind Hochschulen aus betriebswirtschaftlicher Perspektive als eine Form von Non-Profit-Organisationen (NPOs) zu betrachten. NPOs erbringen Dienstleistungen und verfolgen am Gemeinwohl orientierte Zwecke (vgl. STEINS 2005, S. 3).
Der Staat nimmt die dominante Rolle bei der Finanzierung der Hochschulen ein. Ein Großteil der staatlichen Gelder fließt in die Grundfinanzierung. Hochschulen streben als Körperschaften des öffentlichen Rechts nicht nach ökonomischer Gewinnmaximierung. Der Erkenntnisgewinn und damit verbundener Nutzen für die Gesellschaft hat Vorrang. Wohl aber müssen sie profitabel arbeiten.
Die gesamten staatlichen Hochschulausgaben der Jahre 2002 - 2004 lagen bei rund 30 Milliarden Euro im Haushaltsjahr (vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT DEUTSCHLAND 2006). Die Finanzstatistik z.B. der öffentlichen Universitäten mit einem Etat von 12,01 Milliarden Euro wies 2001 einen Drittmittelanteil von 18 Prozent aus. Dabei fällt auf, dass die Drittmittel selbst zu einem großen Teil aus staatlichen Fördertöpfen kommt (vgl. LESZCZENSKY 2004, S. 23). Im Jahr 2005 machten die Drittmitteleinnahmen aller Hochschulen durchschnittlich 20,1 Prozent am Etat aus (vgl. PROGNOS 2007, S.43).
Von insgesamt 28 Ländern mit vergleichbaren Daten im OECD-Raum (Organisation for Economic Co-operation and Development) liegt Deutschland bei der Finanzierung der Bildungssysteme aus öffentlichen Mitteln weit abgeschlagen an 21. Stelle. Rechnet man private Investitionen in das Bildungssystem mit ein, erreicht der Gesamtanteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland mit 5,3 Prozent trotzdem nicht das OECD-Mittel von 5,9 Prozent (vgl. OECD 2006, S.13).
Im Hochschulbereich sind öffentliche und private Investitionen im Zeitraum von 1995 - 2003 zwar insgesamt um 14 Prozent netto gestiegen (OECD-Mittel 37 Prozent). Jedoch wuchs der Anteil der privaten Ausgaben mit 28 Prozent überproportional im Gegensatz zu den Ausgaben der öffentlichen Hand mit 11 Prozent. Im Jahr 2002 entfielen gerade einmal 1,08 Prozent des Bruttoinlandprodukts (0,99 Prozent öffentlich, 0,09 Prozent privat) auf den Hochschulbereich (vgl. OECD 2006, S.13).
Der Wissenschaftsrat wies im Jahr 2000 auf eine im Ländervergleich deutliche Unterfinanzierung des deutschen Wissenschaftssystems hin. Er regte daraufhin an, sich bei der Förderung der Wissenschaft an dem „aktivsten Wettbewerber“ (WISSENSCHAFTSRAT 2000, S. 11) zu orientieren, um „dem bekannt engen Zusammenhang von wissenschaftlicher Entwicklung und wirtschaftlicher Prosperität“ (ebd.) wirkungsvoll begegnen.
Bezogen auf die Ausbildung eines Studierenden, konstatiert Leszczensky für die Hochschulen eine Verschlechterung der finanziellen Lage seit Mitte der 1980er Jahre. An Brisanz gewinnt diese Feststellung in Anbetracht der Entwicklung, dass die Anforderungen an die Hochschulen bspw. durch die steigende Studierendenzahl künftig weiter zunehmen werden (vgl. LESZCZENSKY 2004, S.23).
[Bearbeiten] Quellen
- KIRCHER-REINEKE, R., Hochschulen im Wandel - vom Staatsbetrieb zum Dienstleister. Profilbildung durch die Entwicklung des wissenschaftlichen Weiterbildungsangebots 'Fundraising for Science by Science for Fundraising', 31.07.2007, Master-Arbeit, Technische Universität Berlin, Sommersemester 2007.
- LESCZCZENSKY, M.,Paradigmenwechsel in der Hochschulfinanzierung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 25/2004, , Zugriff am 08.05.2007.
- OECD, Hrsg.), Education at a Glance 2006, PDF, Zugriff am 30.05.2007.
- PROGNOS, Unternehmen Hochschule: Die Zukunft der Hochschulen im Wettbewerb, Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH, 1.Aufl. 2007, ISBN - 10:3-9810016-2-1.
- SCHILY, K., Hochschulfundraising: Kein Geld gab’s immer schon. In: Deutscher Fundraising Verband (Hrsg.), Das aktuelle Programm, Deutscher Fundraising Kongress, 25. - 27.04.2007.
- STATISTISCHES BUNDESAMT DEUTSCHLAND (Hrsg.), 2006, [1], Zugriff am 04.06.2007.
- STEINS, D., Implementierung des Relationship Management im Fundraising der Universität Göttingen: unter besonderer Berücksichtigung der Ansprache von Interessensgruppen, 15.08.2005, Diplom - Arbeit, Universität Göttingen, Sommersemester 2005.
- WISSENSCHAFTSRAT (Hrsg.), Thesen zur zukünftigen Entwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland (PDF), Juli 2000, Zugriff am 03.06.2007.